
Dolly Parton: Das Lied, das sie sich mit fünf Jahren ausdachte
Schon als ganz kleines Mädchen sang sie zu Hause und in der Kirche ihrer Familie, und mit etwa fünf Jahren dachte sie sich ein Lied über ihre Maiskolbenpuppe namens „Little Tiny Tasseltop“ aus, das ihre Mutter für sie aufschrieb.
Regt zum lauten Erfinden von Liedern und Geschichten an
5 Min. Lesezeit · 3-6
Diese Geschichte anhörenDie Geschichte
Hoch oben in den Great Smoky Mountains wohnte die Musik in der Morgenbrise und in den klaren Gebirgsbächen. Die kleine Dolly Parton stand in ihrem Blumenkleid aufrecht auf einer soliden Kirchenbank aus Holz und sang voller Freude aus tiefstem Herzen. Ihre helle, klare Stimme erfüllte den Raum und zauberte allen in der Gemeinde ein Lächeln ins Gesicht, während sie auf den winzigen Singvogel blickten.
Daheim auf der verwitterten Veranda ihrer Hütte machte Dolly die ganze weite Welt zu ihrer persönlichen Bühne. Sie umklammerte einen alten Strohbesen wie ein edles Mikrofon und klopfte mit ihren abgewetzten braunen Schuhen den Takt auf einem umgedrehten Blecheimer. Während sie den Kiefern und sanften Hügeln schwungvolle Lieder aus den Bergen entgegenschmetterte, lächelte sie, als ihre fröhlichen Rhythmen im Tal widerhallten.
Rings um die gemütliche Blockhütte erstrahlten die Great Smoky Mountains in stiller Pracht. Süß duftendes Geißblatt rankte sich an rustikalen Holzgeländern empor, während wohlgenährte Hühner friedlich im weichen Erdboden des Hofes pickten. Morgennebel zog über die sanft geschwungenen, grünen Bergrücken und trug das fröhliche Zwitschern der Vögel sowie das beruhigende Summen des Lebens in den Bergen mit sich.
Zu ihrem fünften Geburtstag erhielt Dolly den wunderbarsten Schatz, von dem ein Mädchen aus den Bergen nur träumen konnte: eine selbstgemachte Puppe aus einem Maiskolben. Eingehüllt in fröhlichen Kattunstoff und mit einem wilden Schopf aus goldenen Maisfäden sah die Puppe aus wie purer Sonnenschein. Dolly drückte sie mit funkelnden blauen Augen fest an sich und taufte ihre neue beste Freundin augenblicklich „Little Tiny Tasseltop“.
Dolly saß auf den warmen Stufen der Veranda und wiegte Little Tiny Tasseltop an ihre weiße Schürze. Bislang hatte sie nur Lieder gesungen, die ihre Mama ihr beigebracht hatte oder die sie in der Kirche gehört hatte. Doch als sie auf Tasseltops süße Knopfaugen hinabblickte, spürte Dolly einen magischen Funken in ihrer Brust. Ihre liebste kleine Freundin verdiente eine ganz neue, eigene Melodie.
Entschlossen, die perfekte Melodie zu erschaffen, räusperte sich Dolly und legte mit einem schnellen, schwungvollen Rhythmus los. Doch die Worte stolperten übereinander und purzelten ungeschickt durcheinander – wie ein neugeborenes Kälbchen auf rutschigem Gras! Dolly hielt inne und brach bei diesem heillosen Durcheinander in ein vergnügtes Kichern aus, ehe sie ihr Kinn auf Little Tiny Tasseltops weiches Köpfchen legte, um es noch einmal zu versuchen.
Als Nächstes versuchte Dolly, sich sanft im Takt eines leisen, schläfrigen Wiegenlieds zu wiegen. Doch als sie Tasseltops fröhliches Lächeln aus Wolle und ihr struppiges Haar aus Maisseide betrachtete, wusste Dolly, dass ihre Freundin viel zu voller Tatendrang steckte, um schon schlafen zu gehen. Sie hielt inne und blickte an der Veranda vorbei in den sonnendurchfluteten Garten, wo goldene Schmetterlinge über wildem Klee tanzten und grüne Eichenblätter in der Bergbrise raschelten.
Dolly klopfte mit ihren abgewetzten braunen Schuhen in einem stetigen, fröhlichen Takt auf die Holzdielen der Veranda. Reim für Reim fügte sie heitere Zeilen über Kattunkleider und Bergabenteuer zusammen. Sie beugte sich vor und sang direkt in das lächelnde Gesicht von Little Tiny Tasseltop; ihre goldenen Locken wippten, während der Rhythmus perfekt ineinandergriff.
Plötzlich fügte sich alles zusammen, und reine Freude strömte aus Dollys Herzen. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen der sonnigen Holzstufen vor dem Haus und reckte „Little Tiny Tasseltop“ hoch in die Luft – wie eine gekrönte Königin der Berge. Die fünfjährige Dolly schmetterte ihr allererstes selbst komponiertes Lied; ihre helle, kräftige Stimme schwang sich über den Holzpfosten-Zaun und hallte durch das ganze Tal.
In der gemütlichen Küche der Hütte hielt Mama mitten im Ausrollen inne; in ihren mehlbestäubten Händen hielt sie ein hölzernes Nudelholz. Eine heitere, pfiffige Melodie drang durch das offene Fenster von der Veranda herein – voller süßer Reime über Kattunkleider und sonniges Haar, so fein wie Maisseide. Mama lauschte voller stiller Verwunderung, ganz hingerissen von dem wunderbaren Lied, das ihre kleine Tochter sang.
Mama trat mit einem Bleistift und einem frischen Blatt Papier auf die Veranda und setzte sich direkt neben Dolly auf die warmen Stufen. Alle Sorgen Dollys wichen einem strahlenden Lächeln, während sie ihre Melodie noch einmal klar und sicher sang. Mit jeder Zeile über „Little Tiny Tasseltop“ notierte Mama sorgfältig die tänzerischen Reime, um sie für immer zu bewahren.
Während der Sonnenuntergang in den Bergen den Himmel in Bernstein- und zarte Violetttöne tauchte, saß Dolly zufrieden auf den Stufen der Veranda. Mit dem einen Arm hielt sie „Little Tiny Tasseltop“ fest an sich geschmiegt, während sie in der anderen Hand behutsam ihr kostbares Notenblatt hielt. Ihr erstes kleines Lied war für immer sicher, und tief in ihrem Herzen wusste die fünfjährige Dolly, dass dies erst der Anfang eines Lebens voller Melodien war.
Menschen, die die Welt verändertenMehr aus dieser Serie
Jane Goodall: Die Freundin der Schimpansen
Sie saß ganz still im Wald, bis die Schimpansen sich nicht mehr versteckten, und veränderte für immer, was wir über Werkzeuge wussten.
Marie Curie: Die Wissenschaftlerin, die das Radium entdeckte
Als kleines Mädchen in Polen bemerkt Marie Curie, dass bestimmte Steine im Dunkeln leuchten, und beginnt ihre lebenslange Suche nach den Geheimnissen der Natur.
Albert Einstein: Der Physiker, der auf einem Lichtstrahl ritt
Der junge Albert Einstein träumt davon, auf einem Lichtstrahl zu reiten, und sein Lehrer zeigt ihm, dass Fantasie der Beginn jeder Entdeckung ist.
Nikola Tesla: Der Meister der Elektrizität
Der junge Nikola Tesla fürchtet sich vor Gewittern, bis seine Mutter ihm die Schönheit und Kraft der Blitze zeigt.
Ein Treffen mit Taylor Swift
Ein junges Mädchen trifft ihr großes Vorbild Taylor Swift hinter der Bühne und lernt, dass Freundlichkeit wichtiger ist als Ruhm.
Stephen Hawking: Der Mann, der das Universum erklärte
Der junge Stephen Hawking blickt zu den Sternen auf und fragt seinen Vater, warum es das Universum gibt – der Beginn seiner Reise, alles zu verstehen.
Frida Kahlo: Die Malerin ihres eigenen Lebens
Nach einem Unfall muss die junge Frida Kahlo das Bett hüten, entdeckt aber, dass sie beim Malen in ihrer Fantasie an jeden beliebigen Ort reisen kann.
Leonardo da Vinci: Der Erfinder, der vom Fliegen träumte
Der kleine Leonardo da Vinci füllt seine Notizbücher mit Zeichnungen von Vögeln und träumt davon, dass eines Tages auch die Menschen fliegen können.







